Krypto unter Druck: Grayscale prognostiziert Wendepunkt für Bitcoin in der Zinslandschaft
Die Krypto-Welt steht wieder Kopf – und das nicht ohne Grund. Grayscale hat in einer aktuellen Analyse einige spannende Prognosen zu Bitcoin aufgestellt, die die Gemüter erregen. Laut den Experten könnte der Bitcoin-Bärenmarkt bis September oder Oktober andauern, falls sich der bekannte Vierjahreszyklus wiederholt. Historisch betrachtet haben wir oft dramatische Verluste von bis zu 80 % erlebt, doch Grayscale sieht Licht am Ende des Tunnels. Die Politik der Federal Reserve (Fed) könnte entscheidend sein, um die institutionelle Nachfrage nach Bitcoin anzukurbeln.
Besonders interessant ist die Aussage von Zach Pandl, einem Analysten bei Grayscale. Er glaubt, dass Bitcoin die Talsohle erreicht haben könnte, sofern die Fed keine Zinserhöhungen in Aussicht stellt. Das könnte bedeuten, dass wir uns dem Ende des Bärenmarktes nähern, auch wenn historische Handelsmuster etwas anderes vermuten lassen. Grayscale hat eine klare Meinung: Die makroökonomischen Rahmenbedingungen sind mittlerweile wichtiger als der traditionelle Vierjahreszyklus. Das bringt frischen Wind in die Diskussionen rund um Bitcoin und macht die Sache alles andere als langweilig.
Gegensätzliche Ansichten über den Markt
In der Analyse werden zwei konkurrierende Perspektiven skizziert. Die erste besagt, dass der Halving-Zeitplan als Haupttreiber des Boom-and-Bust-Musters fungiert. Frühere Bärenmärkte erreichten ihren Tiefpunkt meist etwa ein Jahr nach einem Zyklushöhepunkt. Die zweite Ansicht hingegen geht davon aus, dass die Angebotsverknappungen durch Halvings Phasen der Expansion und Kontraktion auslösen. Es ist ein Spiel der Erwartungen, das die Märkte beeinflusst.
Was wir jedoch nicht vergessen sollten: Frühere Bärenmärkte fielen oft mit schwächerem Wirtschaftswachstum oder steigenden Realzinsen zusammen. Der aktuelle Abschwung geschieht parallel zu den Erwartungen einer strafferen Geldpolitik der Fed sowie steigenden inflationsbereinigten Renditen. Sollte die Fed tatsächlich Zinserhöhungen vermeiden und das Wirtschaftswachstum stabil bleiben, könnte Bitcoin seinen Tiefpunkt bereits hinter sich haben. Ein Anstieg der Zinsen oder eine plötzliche Verlangsamung des Wachstums würde hingegen neuen Druck auf Risikoanlagen, einschließlich Bitcoin, ausüben.
Die Fed und ihre Entscheidungen
Am 29. Oktober 2023 hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins erneut gesenkt, und das gleich zum zweiten Mal in diesem Jahr. Nun liegt der neue Leitzins in einer Spanne von 3,75 bis 4,0 Prozent, was 0,25 Prozentpunkte niedriger ist als zuvor. Dieses Signal könnte weitreichende Auswirkungen auf die Aktienmärkte, Bitcoin und andere Kryptowährungen haben. Experten wie Chris Iggo von AXA Investment Managers halten eine weitere Zinssenkung vor Weihnachten für wahrscheinlich.
Doch nicht alles ist eitel Sonnenschein. Vincent Reinhart von BNY Investments warnt vor der Unsicherheit, die durch fehlende Daten aufgrund eines Shutdowns der US-Regierung entsteht. Jörg Held von ETHENEA spricht gar von einem „Blindflug“ in Bezug auf die Inflation und die Datenerhebung. Wie auch immer man es dreht und wendet, die Aussicht auf niedrigere Zinssätze könnte sich als vorteilhaft für Bitcoin erweisen, da sie die Attraktivität von Staatsanleihen verringern.
Am 30. Oktober notierte Bitcoin bei rund 95.760 Euro – ein kleines Plus von 0,95 Prozent im Vergleich zum Vortag. Doch Fed-Vorsitzender Jerome Powell warnte, dass eine Zinssenkung im Dezember keineswegs sicher sei. Das führte prompt zu einem Rückgang des Bitcoin-Kurses um 4 Prozent. Anleger sind gespannt auf die kommenden Wirtschaftsdaten, die am 5. November veröffentlicht werden. Die US-Arbeitsmarktdaten und die VPI-Berichte am 12. November könnten entscheidend sein für die weitere Entwicklung der Märkte.
