Die Containerlogistik erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel, der durch technologische Innovationen und steigende Anforderungen geprägt ist. Ein herausragendes Beispiel dafür ist der kürzlich unterzeichnete Vertrag zur Errichtung eines vollautomatischen Hochregallagers am London Gateway, einem der bedeutendsten Tiefseehäfen Großbritanniens. Am 23. Oktober 2025 fiel der Startschuss für dieses ambitionierte Projekt, das mit einem Investitionsvolumen von rund 91,7 Millionen Euro einhergeht.
Das neue Lager wird mit dem innovativen Boxbay-System ausgestattet, das einen Paradigmenwechsel in der Containerlogistik darstellt. Anders als bei herkömmlichen Methoden werden die Container in eigenen Regalfächern platziert, was einen direkten Zugriff auf jeden einzelnen Container ermöglicht und somit die Effizienz steigert. Diese Technologie, ursprünglich von AMOVA, einer Tochtergesellschaft der SMS group, entwickelt, hat bereits in Dubai ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt, wo 150.000 Containerbewegungen unter realen Bedingungen durchgeführt wurden.
Technische Raffinessen und Marktposition
Mit einer Gesamtkapazität von 27.000 TEU und einer beeindruckenden Stapelhöhe von 16 TEU wird das neue Lager am London Gateway höchsten Anforderungen gerecht. Die wettergeschützte Anlage wird 55 Meter hoch, 323 Meter lang und 159 Meter breit sein. Zehn Gänge und 15 Regalbediengeräte (SRMs) mit 40 Übergabepunkten sorgen dafür, dass über 200 Container pro Stunde umgeschlagen werden können. Diese technischen Dimensionen unterstützen die ehrgeizigen Pläne von DP World, die Investitionen in die Erweiterung des Hafens auf insgesamt 1,15 Milliarden Euro beziffern.
London Gateway soll bis 2025 der größte Containerhafen Großbritanniens werden, während sich der Wettbewerber Hutchison’s Felixstowe voraussichtlich von 4 Millionen TEU auf 3,6 Millionen TEU zurückziehen wird. Diese Entwicklung ist nicht nur für die britische Logistik von Bedeutung, sondern hat auch globale Auswirkungen, da die Repositionierung leerer Container die Branche jährlich 15 bis 20 Milliarden US-Dollar kostet. Leercontainer machen zudem 29 % aller Containerbewegungen in Europa aus, was den Druck auf die Branche erhöht, effizientere Lösungen zu finden.
Globale Trends in der Containerlogistik
Die Automatisierung von Containerterminals ist nicht nur ein Trend in Großbritannien, sondern weltweit zu beobachten. Der Markt für automatisierte Containerterminals wird bis 2025 auf 12 bis 13,6 Milliarden US-Dollar geschätzt und könnte bis 2032/2035 auf 18 bis 20 Milliarden US-Dollar anwachsen. Der asiatisch-pazifische Raum wird bis Ende 2035 mit 49,5 % den größten Marktanteil halten, angetrieben durch große Häfen und staatliche Förderungen der Hafendigitalisierung. Ein Beispiel ist der Hafen Tuas in Singapur, der bis in die 2040er-Jahre 65 Millionen TEU umschlagen soll und mit modernster Technologie ausgestattet ist.
In Europa zeigen Häfen wie Felixstowe und Southampton, dass sie ebenfalls auf Automatisierung setzen, um ihre Effizienz zu steigern und CO₂-Emissionen zu reduzieren. Deutschland wird dabei als Innovationszentrum für automatisierte Systeme genannt, mit bedeutenden Projekten wie der Modernisierung des Waltershofer Hafens in Hamburg und der Einführung vollautomatisierter Stapelkräne.
Insgesamt verdeutlicht die Entwicklung am London Gateway und die globalen Trends in der Containerlogistik, dass die Branche vor großen Herausforderungen steht, aber auch immense Chancen bietet, die Effizienz zu steigern und den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Die Zukunft der Hafenlogistik ist automatisiert, nachhaltig und vor allem dynamisch.